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GEO Experteninterview: Digitale Sichtbarkeit im KI-Wandel
Die Suche im Internet verändert sich fundamental: Immer mehr Menschen nutzen KI Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity, um direkte Antworten auf ihre Fragen zu erhalten, anstatt sich durch klassische Google-Ergebnislisten zu klicken. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellt sich damit eine völlig neue Herausforderung: Wie schafft man es, dass das eigene Unternehmen von KI Systemen als Empfehlung genannt wird? Die Antwort darauf heißt Generative Engine Optimization (GEO), die Optimierung für die KI-Suche.
Dieser zukunftsweisenden Frage widmet sich Vincent Noel Dohr in seiner Bachelorarbeit an der Media University Köln. Auf der Suche nach einer Agentur, die das Thema GEO bereits konsequent für den Mittelstand umsetzt, ist er auf uns aufmerksam geworden. Da wir bei schmidtmedia auf messbare Ergebnisse und eine klare Verzahnung von klassischem SEO und moderner GEO Strategie setzen, waren wir der ideale Forschungspartner für sein Projekt. Im exklusiven Experteninterview spricht Vincent mit unserem Head of GEO & SEO, Benny Schallenberg u.a. über den Wandel des Suchverhaltens sowie über ganzheitliche GEO Maßnahmen.
Auf einen Blick – Die Themen des Interviews:
- Einstieg
- Veränderungen im Suchverhalten
- Plattformen und KI-Systeme
- Was GEO ist und was es nicht ist
- HTML-Elemente, strukturierte Daten und Maschinenlesbarkeit
- GEO für KMU: Das GEO Spinnennetz
- Messbarkeit: Von Klicks zu Wahrscheinlichkeiten
- Bereitschaft von KMU und Marktentwicklung
- Content-Strategie: Tiefe statt Breite
- Fazit: Qualität als Konstante
Du bist Head of GEO & SEO bei schmidtmedia. Wie bist du in diese Rolle gekommen?
Ich bin jetzt seit sechseinhalb Jahren im Unternehmen. Studiert habe ich Sportmarketing, aber das Studium war breiter angelegt, als der Name vermuten lässt: Strategische Marketingdisziplinen spielten darin eine große Rolle und Online-Marketing hat mich früh fasziniert. Ich bin in einer Juniorstelle eingestiegen und bei uns haben Webdesign und SEO von Anfang an in einer Abteilung zusammengehört, weil beides Hand in Hand geht. Seitdem habe ich viele Projekte und Kunden betreut.
Den eigentlichen Wendepunkt gab es Anfang letzten Jahres. Als ChatGPT auf den Markt kam, war das zunächst aufregend, aber die tiefgreifenden Veränderungen für die Suche konnte man noch nicht abschätzen. Das änderte sich. Ich habe intern begonnen, mich intensiv mit dem Thema GEO zu befassen, nachdem diese neue Disziplin immer mehr Beachtung fand. Anschließend begann ich, einen internen GEO-Workflow aufzubauen, interne Schulungen zu halten sowie KI-Tools in die tägliche Arbeit zu integrieren. Fertige Ablaufpläne oder etablierte Fachliteratur gibt es für dieses Feld noch nicht vollumfänglich, also ist es ein schrittweises Vorantasten und ein fortlaufender Prozess.
Wie habt ihr diesen Wandel intern bewertet?
Ich habe das als historische Zäsur wahrgenommen, so wie man sie vielleicht alle zehn bis fünfzehn Jahre hat. Ein guter Vergleich: Früher hat schmidtmedia die Kölner Branchenbücher herausgegeben, das Gegenstück zu den Gelben Seiten. Irgendwann hat Wolfgang Schmidt erkannt, dass Print auf dem absteigenden Ast ist und die Agentur hat sich digital aufgestellt: Webdesign, Local SEO, Google Ads. Genau dieses Umdenken vollziehen wir jetzt erneut. Die Logikmechanismen erweitern und verändern sich und wer das nicht erkennt, verliert den Anschluss.
Ich habe gesehen, dass du Anfang Mai Referent beim AI Village Event „KMU meets AI“ warst.
Genau. Das AI Village in Hürth ist ein KI-Innovationszentrum in NRW, das sich nicht nur mit Online-Marketing, sondern mit dem gesamten Thema KI in Unternehmen beschäftigt: Robotik, Automatisierung, Integration in Betriebsprozesse. Bei diesem Event ging es darum, wie KMUs sich in der neuen Suchlandschaft aufstellen können. Wir waren mit zwei weiteren Kölner Agenturen vertreten und haben an einem offenen Stand präsentiert und Fragen beantwortet.
Veränderungen im Suchverhalten.
Nimmst du konkrete Veränderungen im Suchverhalten der Nutzer wahr, etwa bei informativen, transaktionalen oder kommerziellen Suchabsichten?
Die Grundlogik verändert sich fundamental. Suche wurde vereinfacht und beschleunigt: Früher musstest du dich über mehrere Ratgeber einlesen, verschiedene Anbieter vergleichen und dann ein Unternehmen in der Region suchen. Heute gibst du dein Anliegen direkt ein. Und dieser Einstieg verschiebt sich von ein oder zwei Schlagwörtern hin zu einer echten Konversation.
So ein Gespräch in ChatGPT hat häufig mehrere Ebenen: Man beschreibt die Problematik, bekommt eine Antwort mit Folgefragen und im zweiten oder dritten Schritt folgt eine konkrete Handlungsempfehlung, die zur Markenbekanntheit beiträgt und zu einem Lead für ein Unternehmen führen kann. Die Suche wird also umfänglicher und gleichzeitig effizienter. Einzuschränken ist aber: Die Fehlerquote bei KI-Antworten liegt noch im leichten zweistelligen Prozentbereich. Das klingt nach wenig, ist aber bei Millionen täglichen Anfragen eine erhebliche Zahl falscher Informationen. Ein kritischer Umgang mit KI-Antworten müsste eigentlich auch in Schulen gelehrt werden.
Beschränkt sich dieser Wandel noch auf informative Suchanfragen oder rückt auch das Kommerzielle in den Vordergrund?
Beides. Im privaten Bereich ist die Veränderung schon längst spürbar: Kochrezepte, schnelle Wissensfragen. Aber auch im B2B ist das ein fundamentaler Wandel. Schaut man sich das MCP-Protokoll an, wird klar, wohin die Reise geht: Online-Shops können künftig direkt an KI-Interfaces angebunden werden, sodass Kaufprozesse unmittelbar dort stattfinden. Wer seinen Shop jetzt so aufstellt, dass seine Produkte mit strukturierten Daten und Schnittstellen sauber aufbereitet sind, kann darüber echte Käufe akquirieren. Der Umkehrschluss gilt genauso.
Wir legen deshalb den Fokus verstärkt auf transaktionale Inhalte. Reine Ratgeberartikel wie „Was ist SEO?“ verlieren an Wert, weil der Markt damit überschwemmt ist und solche Inhalte kaum noch Quellenangaben oder Erwähnungen in KI-Systemen erzeugen. Was sich dabei nicht ändert: die Intention der Menschen. Wer einen Dachdecker braucht, braucht einen Dachdecker. Aber die Customer Journey beginnt heute an einem früheren Punkt und genau dort müssen Unternehmen sichtbar sein.
Plattformen und KI-Systeme .
Gibt es eine Plattform, auf die ihr euch als Agentur hauptsächlich konzentriert?
Wir decken bewusst breit ab: Perplexity, ChatGPT, Claude, Gemini und die AI Overviews beziehungsweise den AI Mode von Google, der gerade zusammengeführt wird. ChatGPT liegt weiterhin vorne, aber Gemini gewinnt an Relevanz. Interessant ist, was sich dabei an Komplexität aufgebaut hat: Früher gab es einen Google-Algorithmus. Heute sehen wir zu denselben Prompts völlig unterschiedliche Werte, etwa eine Visibility von 60 Prozent bei Gemini, 20 Prozent bei ChatGPT und 40 Prozent bei Perplexity. Der Markt ist deutlich vielschichtiger geworden. Deswegen monitoren wir breit und bevorzugen kein einzelnes KI System.
Spielen auch Plattformen wie Reddit oder Wikipedia eine Rolle?
Sowohl-als-auch. Auf LinkedIn tauchen in Auswertungen zur KI-Sichtbarkeit regelmäßig YouTube, Reddit und Wikipedia auf. Das ist prozentual betrachtet korrekt, aber pauschalisierbar ist es nicht. Für ein kleines KMU ist ein Wikipedia-Eintrag kaum realistisch, weil die Anforderungen an regionale Relevanz hoch sind und Einträge ohne ausreichende Bedeutung gelöscht werden. Und als 39. Kommentar in einem Reddit-Thread nimmt man keinen Einfluss. Die Analyse muss immer individuell sein: Ein Umzugsunternehmen braucht eine andere Strategie, als eine Kanzlei oder eine Online-Marketing-Agentur.
Gibt es Branchen, in denen der GEO-Effekt besonders stark messbar ist?
Im negativen Sinne am deutlichsten: Ratgeberportale wie Chefkoch. Früher hat man nach einem Rezept gegoogelt und die Seite besucht, heute bekommt man den Prompt direkt beantwortet. Einige Portale sperren ihre Inhalte deshalb bereits über die robots.txt für KI-Bots, um den direkten Seitenbesuch zu schützen. In anderen Bereichen, wie dem unseren, wirkt sich die Veränderung eher positiv aus. Die Suche wird nicht weniger, sie verschiebt sich. Wer an diesem früheren Punkt der Customer Journey sichtbar ist, hat einen strukturellen Vorteil.
Was GEO ist und was es nicht ist .
Wie würdest du GEO definieren und wie grenzt es sich von klassischem SEO ab?
GEO ist für mich eine Erweiterung und Weiterentwicklung von SEO, keine eigene Disziplin. Viele SEO-Grundlagen zahlen direkt auf GEO ein. Google hat das selbst bestätigt. Im Kern geht es darum, wie sichtbar eine Marke oder ein Unternehmen in KI-Systemen ist. Der Unterschied zum klassischen SEO liegt in der Komplexität: Früher gab es eine starre Trefferliste mit Links. Heute entstehen Sichtbarkeit und Erwähnungen aus Konversationen heraus und zwar in einer Vielzahl verschiedener KI-Systeme mit unterschiedlichen Algorithmen. Aber in seiner Grundlogik bleibt GEO eine Erweiterung des Bekannten.
Das heißt, ein solides SEO-Fundament ist auch die Basis für GEO?
Genau. Wir vereinen Webdesign und SEO aus gutem Grund in einer Abteilung: Eine starke Website braucht Struktur, Inhalt und Optik im Einklang. Das gilt für SEO wie für GEO gleichermaßen. Was sich verändert, sind Priorisierungen und die Art, wie bestimmte Inhalte strukturiert und produziert werden. Ein völlig anderer Maßnahmenkatalog entsteht dadurch nicht, viel mehr erweitert sich dieser und greift noch mehr ineinander.
HTML-Elemente, strukturierte Daten und Maschinenlesbarkeit .
Du hast HTML-Elemente, strukturierte Daten und Maschinenlesbarkeit erwähnt. Was steckt dahinter und wie nutzt man sie für GEO?
Dies sind technische Informationen und Strukturen, die parallel zu den für Menschen sichtbaren Inhalten aufgebaut werden und den technisch strukturellen Aufbau einer Website darstellen. Sie ermöglichen es u.a. KI-Bots und dem Google-Crawler, Inhalte fehlerfrei auszulesen. Auf unserer Grounding Page haben wir das bspw. so umgesetzt: Der Besucher sieht lesbare Texte, während KI-Systeme gleichzeitig klar strukturierte Kerninformationen abrufen können: wer hinter dem Unternehmen, sprich der Eintität steht, welche Leistungen angeboten werden, welche Standortdaten hinterlegt sind und welche Vertrauenssignale vorliegen. Das einfachste Beispiel ist die klassische Überschriftenstruktur: H1, H2, H3 mit durchgängigem Bodytext machen eine Seite für Maschinen lesbar.
Reicht es, das einmal auf einer zentralen Grounding Page zu hinterlegen?
Nein, strukturierte Daten sollten über die gesamte Website an allen relevanten Stellen eingesetzt werden. Auch bei einem Blogartikel ist es sinnvoll, den Autor, seine Expertise und das Veröffentlichungsdatum strukturiert zu hinterlegen. Ein klassisches Gegenbeispiel: Früher haben viele Unternehmen FAQs in eingeklappten Akkordeon-Elementen dargestellt, ohne strukturierte Daten zu hinterlegen. Für Crawler waren diese Inhalte damit unsichtbar. Strukturierte Daten schaffen Übersicht da, wo sie gebraucht werden.
Gibt es SEO-Maßnahmen, die im GEO-Kontext kontraproduktiv sein könnten?
Nicht auf Maßnahmenebene, eher bei der Art, wie Inhalte produziert werden. Vor zehn Jahren haben manche mit sogenannten Wall-of-Text-Artikeln Keywords künstlich verdichtet. Das hat kurzfristig Rankings erzeugt, war aber schon damals für Nutzer wenig ansprechend. Heute sind Algorithmen intelligenter und strafen solche Inhalte ab. Was für seriöses SEO gilt, gilt für GEO genauso. Hierbei besteht nun die Disziplin, Inhalte zitierfähig, einzigartig und holistisch aufzubauen, um einen Mehrwert sowohl für den menschlichen User, als auch für KI Systeme zu schaffen.
Was ich außerdem beobachte: Manche positionieren sich schnell als GEO-Experten und erstellen Listen wie „Die zehn besten Online-Marketing-Agenturen“, auf denen sie sich selbst auf Platz 1 setzen. Das kann kurzfristig funktionieren, wird aber bereits zum Teil abgestraft. Ein Entweder-oder zwischen Qualität und Taktik gibt es nicht.
GEO für KMU: Das GEO Spinnennetz .
Wie unterscheiden sich die Anforderungen für KMU im Vergleich zu großen Unternehmen?
Man muss immer einordnen, in welcher Branche und mit welchen Ressourcen man unterwegs ist. Große Unternehmen tragen einen jahrzehntelangen Branding-Vorsprung. Wer heute in Köln ein Sportartikelgeschäft eröffnet, wird es sehr schwer haben, gegen Adidas anzukommen. Aber für die KMU, die unseren Kundenstamm darstellen, gilt: Die meisten sind lokal ansässig und da gibt es wunderbare Chancen. Oder man ist bundesweit in einer spezifischen Nische unterwegs. Beides bietet Potenzial, wenn man individuell analysiert.
Welche Maßnahmen würdest du einem KMU konkret empfehlen?
Es gibt nicht die eine Maßnahme. Ich stelle das intern als GEO Spinnennetz dar: Man muss möglichst viele Bereiche abdecken, um die Wahrscheinlichkeit von Mentions und Citations zu erhöhen. Im klassischen SEO war das manchmal mit weniger Ressourcen möglich. GEO ist komplexer. Ich empfehle, mindestens fünf Stunden aufwärts im Monat einzuplanen.
Der zentrale Anker ist die Entitätssteuerung, die auf zwei Elementen basiert: der Website und dem Unternehmensprofil. KI-Systeme halluzinieren noch, besonders wenn es regional ähnliche Unternehmen gibt. Deswegen ist es wichtig, die Kernfakten des Unternehmens klar und strukturiert darzustellen: Kontaktdaten, Leistungsspektrum, Vertrauenssignale, die Personen dahinter. Im Unternehmensprofil ist NAP-Konsistenz, also Name, Adresse, Telefonnummer, absolut grundlegend.
Von dort aus weitet man das Spinnennetz aus: Branchenportale und Listicles als häufig zitierte Quellen, YouTube-Ratgebervideos, Fachforen, News-Publisher, LinkedIn, Veranstaltungen wie das AI Village. Diese Ganzheitlichkeit ist der Schlüssel. Ein einzelner Blogartikel bringt nichts, wenn die Website schlechte Performance-Werte hat. Und konsistente Daten müssen nicht nur im Google-Unternehmensprofil stehen, sondern auch bei anderen Kartendiensten wie Apple Maps oder Bing.
Messbarkeit: Von Klicks zu Wahrscheinlichkeiten .
Wie messt ihr GEO-Erfolge, und was unterscheidet das von der SEO-Messlogik?
Das ist einer der größten strukturellen Unterschiede. Im Rahmen der Suchmaschinenoptimierung war alles präzise messbar: ein Keyword, ein Suchvolumen, ein klares Ranking und daraus sich ergebende Klicks. In KI Systemen hingegen gibt jeder Nutzer einen anderen Prompt ein. Man kann nicht jeden Prompt tracken, also muss man in Themenräumen denken: Für uns wären das zum Beispiel Themenräume wie „Online-Marketing-Agentur Köln“, „Webdesign-Agentur Köln“ oder „GEO-Agentur Köln“. Dazu definiert man transaktionale Prompts und misst über Tools wie Peec AI, wie häufig man in den Antworten eine prozentuale Visibility erzeugt und welches Sentiment, sprich in welcher Tonalität über das Unternehmen gesprochen wird, erzielt wird.
Das Ziel verändert sich grundlegend: Es geht nicht mehr um den direkten Klick, sondern darum, als Erwähnung oder Quelle in einer Konversation stattzufinden, die zur Markenbekanntheit und einer Empfehlung führt. Man arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten statt mit exakten KPIs. Ob man 70 oder 73 Mal erwähnt wurde, ist weniger relevant als die Erkenntnis, dass man in 70 Prozent der relevanten Anfragen vorkommt.
Dazu kommt eine oft unterschätzte Dimension: das Sentiment. Hohe Visibility mit negativem Sentiment ist der Worst Case. Es gab eine Kreditkartenmarke, die in vielen KI-Antworten auftauchte, weil sie bei „Kostenlose Kreditkarte“-Prompts erwähnt wurde, aber gleichzeitig als kostenpflichtig und nicht empfehlenswert eingestuft wurde. Sichtbarkeit und Sentiment müssen gemeinsam betrachtet werden.
Habt ihr ein konkretes Erfolgsbeispiel?
Das überzeugendste Beispiel ist unser eigenes Unternehmen. Wer vor der eigenen Haustür kehrt, hat die glaubwürdigste Visitenkarte. Ich habe unsere GEO-Unterseite Anfang letzten Jahres aufgebaut und seitdem kontinuierlich optimiert. Zum Prompt „Ich suche eine Online-Marketing-Agentur für GEO in Köln“ erreichen wir heute eine Visibility von 74 Prozent. In drei von vier Anfragen werden wir also empfohlen. Das zeigt sich auch qualitativ: Dieses Interview entstand darüber, die Einladung zum AI Village kam auf demselben Weg und wir erhalten qualifizierte Kundenanfragen über diese Customer Journey. Keine explosiven Zahlen, aber nachhaltig wachsende Resultate.
Bereitschaft von KMU
und Marktentwicklung .
Wie hoch ist die Bereitschaft deutscher KMUs, sich in Richtung GEO aufzustellen?
Das Thema hat noch enormes Potenzial. Es ist längst nicht bei allen angekommen. Wir sehen das als Chance: Wer früh aktiv wird, sichert sich einen First-Mover-Vorteil. Von unseren vierstellig vielen Kunden hat bislang nur ein Bruchteil GEO konkret im Blick. Es hängt stark von der Branche ab: Handwerksbetriebe, die bis nächstes Jahr ausgebucht sind, sehen oft keinen Bedarf. Andere Unternehmen fragen gezielt nach, sobald wir das Thema in Newslettern oder Blogbeiträgen aufgreifen. Entscheidend ist, wie innovationsaffin ein Unternehmen denkt und welches Verständnis für digitale Themen vorhanden ist.
Wie schätzt du die Relevanz von GEO mit Blick auf zwei bis fünf Jahre ein?
Ich habe intern aufs Gaspedal gedrückt. Google führt Nutzer über AI Overviews und den AI Mode schrittweise in die KI-Suche, ohne dass es als großer Bruch wahrgenommen wird. Es fühlt sich nach einer verbesserten Suche an, nicht nach einem neuen System. Das ist strategisch klug. SEO bleibt relevant, weil nicht jeder sofort auf KI-Systeme umsteigt und weil es einen indirekten Einfluss auf GEO hat. Aber die Verschiebung ist real. Eine interessante Zahl: 95 Prozent der ChatGPT-Nutzer nutzen auch Google, aber nur 14 Prozent der Google-Nutzer verwenden ChatGPT. Das zeigt, wie groß das Wachstumspotenzial noch ist.
Siehst du das als Fusion von KI und klassischer Suche, oder als Verdrängung?
Ich glaube, Google bleibt Marktführer. Die Integration von KI über AI Overviews und AI Mode passierte für viele Nutzer unbemerkt. Google profitiert von einem jahrzehntelang aufgebauten Ökosystem und Nutzerdaten, die kaum ein Wettbewerber hat. Zusätzlich wird Agentic Shopping ausgebaut: Produkte direkt über KI-Schnittstellen kaufen zu können, wird kommen. Gleichzeitig glaube ich, dass sich die verschiedenen KI-Systeme weiter spezialisieren: Claude stärker im Coding-Bereich, andere Systeme für Bilderzeugung oder Texterstellung. Was die Arbeit als Agentur vielschichtiger macht: Früher gab es klare Sichtbarkeitsindizien. Heute ist einiges noch eine Blackbox, weil man keinen direkten Zugriff auf die Algorithmen der KI-Systeme hat.
Content-Strategie: Tiefe statt Breite .
Welche Rolle spielen W-Fragen im GEO-Kontext?
Grundlegend eine große, aber nur in der richtigen Formulierung. Nicht informell, sondern mit transaktionalem Intent. Die Frage „Was ist Online-Marketing?“ bringt auf einer Unternehmenswebsite wenig. „Was ist die beste Online-Marketing-Agentur in Köln?“ hingegen hat einen klaren Suchintent mit Kontaktpotenzial. Entscheidend ist zudem, ob Inhalte echten Mehrwert bieten. Was die KI bereits in ihren Trainingsdaten hat und hundertfach in Ratgebern erschienen ist, erzeugt kaum noch Citations.
Ein spannendes Format sind Case Studies: konkrete Projekte, reale Anforderungen, nachvollziehbare Lösungen, messbare Ergebnisse. Das ist Content, den KI-Systeme so noch nicht inflationär kennen, weil er einzigartig ist. Im Blogbereich gilt: entweder frische Themenbereiche erschließen oder Inhalte mit echter Fachexpertise aufbereiten. Ein konkretes Beispiel: Als die KI-Integration in Google Maps angekündigt wurde, hat eine Kollegin sofort einen Fachbeitrag mit echter Expertise dazu veröffentlicht und damit frühzeitig Sichtbarkeit aufgebaut.
Was gilt es bei der Inhaltsstruktur konkret zu beachten?
Wenn ein Prompt gestellt wird, findet ein sogenanntes Fan-out Query statt: Die KI fächert die Anfrage in verschiedene Unterfragen auf. Wer ein Thema nur oberächlich behandelt, bleibt dabei unsichtbar. Ein Thema muss holistisch beleuchtet werden. Bei unserer Webdesign-Unterseite bedeutet das: nicht nur „Wir haben das beste Design“ schreiben, sondern auch Performance, Sicherheit, Usability und Inhaltsstruktur beleuchten.
Strukturell gilt: zuerst für den menschlichen Leser schreiben, dann für KI-Systeme optimieren. KI-Systeme zitieren gerne strukturierte Formate: Tabellen, nummerierte Listen, FAQs, Schritt-für-Schritt-Konzepte. Wie im Journalismus: Das Wichtigste kommt an den Anfang, ein Inhaltsverzeichnis mit Ankerpunkten erleichtert die Navigation und ein prägnantes Fazit rundet ab. KI-Crawler werten Anfang und Ende von Inhalten besonders aus. Was für die Maschine gut lesbar ist, verbessert übrigens auch die Nutzererfahrung.
Fazit: Qualität als Konstante .
Was würdest du einem KMU abschließend empfehlen?
Die Grundlage sauber aufziehen: eine gut strukturierte, moderne, technisch saubere Website, ein vollständiges Unternehmensprofil mit konsistenten Daten. Von dort aus immer mit der Frage: Was kann ich inhaltlich wirklich leisten? Wie trage ich Expertise, Erfahrung und Vertrauen nach außen? Im Gastronomiebereich zum Beispiel: viele authentische Kundenrezensionen sammeln, auf relevanten Plattformen aktiv sein. Das ist budgetunabhängig. Wir betreuen KMUs von Einmann-Betrieben bis zu Unternehmen mit über tausend Mitarbeitern. Die Grundprinzipien bleiben dieselben, die Ausprägung variiert.
Gibt es noch jemanden, mit dem es interessant wäre zu sprechen?
Hanns Kronenberg. Er hat das Thema Grounding Page maßgeblich mitgeprägt und hat einen sehr präzisen Blick auf die Materie. Ich würde auf LinkedIn schauen, ob er für ein Interview zur Verfügung steht.
Was hast du noch nicht erwähnt, das dir wichtig ist?
Die llms.txt-Datei. Ähnlich wie eine Sitemap, mit Hilfe derer Google die Seitenstruktur technisch erschließt, kann man diese llms.txt-Datei für KI-Bots erstellen. Ob sie tatsächlich Relevanz hat, ist in der Fachwelt noch umstritten. Google hat intern mal gesagt, dass sie keine Relevanz hat, in einer neueren Veröffentlichung tauchte das Thema aber wieder auf. Genau das macht GEO so spannend: Man steht nicht still, sondern ist Teil einer Entwicklung, die sich monatlich weiterentwickelt. Tools, Standards, Empfehlungen, alles ist im Fluss.
Und das Kernprinzip dahinter?
Es geht weiterhin um Mehrwert und Autorität. Die Messlogik ist eine andere, die Analyse komplexer, man arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, statt festen KPIs. Aber die grundlegenden Qualitätsprinzipien ändern sich nicht. Wer echte Expertise, echte Fallbeispiele und einzigartigen Inhalt bietet, wird belohnt. Ja, es gibt aktuell noch Wege, das System kurzfristig auszutricksen: Ein gefälschtes Listicle hat in Tests kurzfristig Sichtbarkeit für eine nicht existierende Marke erzeugt. Aber ich bin optimistisch, dass sich Qualität langfristig durchsetzt.
Und das bringt mich zu einem abschließenden Gedanken: GEO ist letztlich die Disziplin, die alle Bereiche des Online-Marketings zusammenführt. Webdesign, SEO, Local SEO, YouTube-Marketing, Digital PR. Wer bislang in Silos gedacht hat, muss das überwinden. GEO erfordert Ganzheitlichkeit und darin liegt gleichzeitig seine größte Chance.
Hinweis: Das Transkript wurde sprachlich bereinigt und journalistisch aufbereitet. Füllwörter, Versprecher und Überschneidungen wurden entfernt. Inhaltliche Aussagen wurden nicht verändert.





